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Der Uhrmacher und sein Freund Peter der Buchhändler

Der Uhrmacher Werners Vater schreibt in seinen Tagebuch, der neue  Buchhändler unserer Stadt brachte mir seine Wanduhr zur Reparatur.

Ein schmächtiger hochgewachsener Mann stand vor meiner Werkstatt, etwas zurückhaltend, ja ängstlich wirkend, blickte er mir mit freundlichen Augen zu. Die runde Goldbrille gab den eher aschfahlen Gesicht einen scheinbaren Glanz, für ihm war es die Lupe mit Goldrand zum lesen, sie ermöglichte ihm in die unendliche Welt der Bücher und in derer Geheimnisse und Wissen zuschauen. Dies verriet auch seine leicht gekrümmte Körperhaltung. Der scheue Herr, hatte seine Wanduhr wie ein Neugeborenes Kind  in eine Decke gewickelt,er hielt sie fest, als wolle er sie mir nicht zeigen.

Vorsichtig erkundete er mein Fachwissen, ohne belehrend zu sein beantwortete ich brav jede Frage.

Der Uhrmacher schreibt,

Meine Neugier auf das eingepackte Geheimnis konnte ihn überzeugen das er bei mir genau richtig war und er wickelte seinen Schatz in meiner Uhrmacherstube aus, legte ihn  vorsichtig auf den Reparatur Tisch und atmete tief durch, als wäre er erleichtert. Der Patient – eine alte Wanduhr.

Die filigranen Finger des eher ärmlich wirkenden Herren, strichen sanft über das Gehäuse und ich ahnte welches Vertrauen er mir in diesen Augenblick schenkte.

Die Geschichte dieser Uhr blieb sein Geheimnis, ich beneidete ihn darum, denn solch eine Liebe ist oft ein Leben lang. Für mich eine Herausforderung. Das war die erste Uhr die ich mit einen Buchhändler gemeinsam reparierte.

Als wir die Uhr zum Probelauf aufzogen und das Pendel zu schwingen begann, hörte und erkannte ich den Schlag des Ankergangs. Der Uhrmacher Raum wurde mit diesen Pendelschlag ausgewärmt, wir wagten  nicht zusprechen.

Der Schlag der Uhr gab den Raum die Stille. Nur den großen Meistern der Uhrmacherwelt war es gegönnt diese Uhrwerke zu erschaffen.

Sie wurden gepaart mit den feinsten Hölzern, wie es die Geigenbauer tun. Diese Uhr  war eine Königin.

Nach erfolgreicher Reparatur, wurde sie wieder eingewickelt und wie ein stolzer Vater trug der Buchhändler seine Uhr wieder nach Hause. Ich freute mich über die mündliche  Einladung zur Eröffnung des Buchladens.

Der Buchladen wurde vor Weihnachten eröffnet. Eine große geschliffene Kristall Glastür eingefasst mit Gold poliertem Messing – Rahmen zeugte auf gute Geschäfte. Zwei große Schau- Glasfenster zeigten die Schätze der Buchmacher Kunst. Die in Leder eingefassten Buchumschläge mit geprägter Goldschrift gaben den Kristallglas an bestimmter Tageszeit einen goldenen Schimmer. Feinste Einlagen in Brokat-Papier aus eigener Fertigung dienten den Büchern als Unterlage.  Ein zu den  Büchern passender Lederkoffer behütete so manchen Bücherschatz. Bronze Figuren bekannter Dichter ruhten zwischen den Büchern.

Der großer Messing-Türknopf verführte meine Hand zum öffnen der Tür. Ich stand vor der Welt der Bücher – Geheimnisse,sie machte mich wirklich Neugierig.

Ich streichte mir die Stiefel sauber und betrat den Raum. Eine Messing-Glocke in hellen Tönen zeigte meinen Besuch an.

Ein herrlicher Duft von sanfter Vanille, Schokolade, Kaffee, gemischt mit Weihrauch und getrockneten Tabakblättern begrüßte mich. Die weichen Ledersessel luden zum ausruhen ein. Ein kleines Handgroßes Buch verführte mich zum betrachten. Es war sehr leicht im Gewicht und  schlicht gebunden.Das ticken der von uns reparierten Wanduhr gibt den Raum eine gefühlte Wärme. Der Pendelgang schlägt scheinbare Ruhe an und nimmt die Geschwindigkeit aus der unaufhaltsamen  Zeit.

Nussbraune Bücher Regale zeigen goldene Buchrücken.

Die vergoldeten Rahmen der Kupferstich Bilder lassen den Raum Rotgold glänzen.

Je nach Jahreszeit und bestimmter Tageszeit werden die Farben sich verändern.

Der Hölzerne hochpolierte Fussboden  unterstützt die warme Farbgebung.

Die Buchschätze hinter verschlossenen Glastüren verbargen ihre Schönheit und machten Neugierig.

Ich war angekommen – wie lange?

Nun begrüßte mich Peter mein Buchhändler.

Er hatte seinen Scheitel mit  Pomade streng gezogen,die goldene Fassung der Brillengläser passten zum Raum. Das glattrasierte Kinn, der strenge Hemdkragen mit Fliege, das hochweiße Hemd, der Duft nach frisch gesiedeter Kernseife machten ihm zum Geschäftsmann. Der korrekte Gang verriet eine  Militärkarriere und vielleicht auch die Geschichte seiner  Wanduhr.

Nichts erinnerte mich an den unglücklichen Wanduhren Besitzer.

Freundlich reichte er mir seine Hand und ich hatte in diesen Augenblick einen Freund gefunden. Sein Name war Peter.Ich war bei ihm zu Hause und der erste Uhrmacher der seinen Buchladen besuchte.

Mein Freund Peter der Buchhändler.

 

 

 

Der Uhrmacher und die – Acquations-Tabelle 1804-Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

IMG_6der Uhrmacher Werners Vater schreibt in sein Tagebuch,

Warum haben wir Menschen einen Zaun.Wir grenzen und sichern uns ab, wir markieren und kontrollieren, messen und montieren. Wir scheinen uns zusichern.IMG_32

In meiner Uhrmacherstube habe ich eine Tür und ein großes Fenster.Um vom Sonnenlicht gewärmt aber nicht geblendet zu werden, habe ich meinen Uhrmachertisch direkt neben dem großen Fenster aufgestellt.

Eigendlich braucht ein Uhrmacher immer eine verschlossen Tür.

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Ich brauche sie nicht. Die offene Tür gibt mir das Gefühl von Freiheit, ich bin nicht ausgeschlossen, ich möchte den Puls des Lebens als meinen Taktgeber spüren. Mit jeden Sekunden-Schlag verabschiedet sich der Augenblick und rückt unwiederbringlich nach vorn. Der Puls des Leben ist messbar, ich messe ihn an dem was mich umgibt. Dabei ist die wunderbare Zeit die mir zur Verfügung steht-immer gleich.  Am Lauf der Zeiger meiner Uhren erkenne ich die Geschwindigkeit, was wäre wenn alle Uhren auf der Welt stehen blieben? Wie messe ich dann die Zeit?

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Je mehr freudiges Leben um mich ist, um so weniger trauere ich um die Sekunde die sich von mir verabschiedet. So wie das Rad im Uhrengetriebe sich nach vorn arbeitet, so arbeite ich mich im Takt

voran.hh65Tasch Der Reparatur Erfolg ist mein Lohn. Der Augenblick, bevor ich das defekte hundertjährige Uhrwerk nach erfolgreicher Reparatur wieder zum Leben erwecke und  die kleine Unruhwelle den Unruhreif  dreht, die neue Breguet  Spirale zu atmen beginnt, ist meine  Freude. Das  Uhrwerk wird lebendig und strahlt voller Energie, ja es lächelt  mich an. Egal wie alt so ein Uhrwerk ist, ich habe die Kraft, das Wissen und die notwendigen Ersatzteile um es wieder leben zu lassen.IMG_9245-0uu

Der Uhrmacher Werners Vater schreibt,aber wie messe ich die Zeit?img_52

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Er schreibt, auf der Suche nach der verlorenen Zeit,                                             ,IMG_7iiii8

 

kam mir zufällig ein altes Uhrmacherheft mit einer Acquations-Tabelle 1804 zu Hilfe,welches 200 Jahre verstaubt in einen alten wundeschönen Holzkoffer, zwischen  Ersatzteilkisten und Handgesägten Messingzeigern  lagerte. Es war recht gut erhalten und machte mir den Eindruck,als wolle es mir meine Fragen zur – ZEIT – beantworten.Das Büchlein  diente einer Zigarrenschachtel als

Unterboden.  IMG_6

 

Das recht ordentlich gebaute alte Haus, gab den trockenen Speicher eine gute Lagerfläche und hatte einen großen Anteil für die gute Erhaltung des kleinen Buches.

Sein Verfasser schrieb 1804 folgendes,IMG_7iiii8

Die benannten Tage in der Tabelle zeigen im Jahre die mittlere Zeit einer guten, richtig gehenden Pendeluhr.

Wenn es auf den Punkt nach der Sonne Mittag ist, an, z.E. den 1.Januar stellt man die Uhr 4 Minuten 22 Secunden nach 12 Uhr, wenn die Sonne auf den Punkt Mittag oder 12 Uhr zeigt, laß man die Uhr fortgehen ohne nach der Sonne zu sehen, bis den 5. Januar muß die Uhr, wenn es auf den Punkte Mittag ist, nach der Sonne 6 Minuten 11 Stunden zeigen, wenn dieselbe accurat geht.

Der Uhrmacher schreibt 1804-        IMG_75jjjjjjjjjjj

Das sicherste Mittel,eine Pendule oder Taschenuhr nach der eigentlichen oder so genannten wahren Zeit zu stellen, bietet uns die Sonne dar- und dürfte vielleicht manchen Leser nicht unangenehm sein, wenn ich zum Schluss dieser kleinen Abhandlung noch den Unterschied einer Penduluhr(Pendule) mit einer Sonnenuhr,und die Art jede Uhr nach der Sonne oder der wahren

Zeit zu stellen, hier angebe nmmmmzrtz

Man nennt denjenigen Punkt, wenn die Sonne in Ihrem täglichen scheinbaren Laufe um die Erde, ihre größte Höhe über unseren Horizont erreicht hat – Mittag. Da aber nicht ein jeder Tag im ganzen Jahre mit den anderen gleiche Länge hat, so kann auch nicht der Mittag eines jeden Tages auf einerlei Punkt eintreten, sondern er wird die meiste Zeit im Jahre um so mehr oder weniger Minuten verschieden sein-Ein Unterschied,welchen man auch an einer guten Pendeluhr gewahr wird,deren Gang das ganze Jahr hindurch richtig  und gleichförmig ist,wenn seine fremden Ursachen ihn stören und nach Verlauf desselben mit dem Gange der Sonne vollkommen wieder zutrifft.

 

Um nun  eine Uhr nach der Sonne richtig zu stellen,bedient man sich der Äquationstabellen,welche man in Astronomischen Werken vorzüglich in Müllers,Fr.Chr. gemeinnützigen astronomischen Tafeln

zur richtigen Stellung der Uhren,mit möglicher Genauigkeit dargestellt findet und welche den Unterschied der wahren und mittleren Zeit sehr richtig angeben.Der Unterschied des Ganzen  einer guten Penduluhr mit dem Gange der Sonne ist um nach den Tabellen,die aus den Ephemmeriden  des Herrn de La Lande gezogen,wie der Herr Geißler in seinen Schriften zeigt folgender.

Wenn man eine gute Penduluhr den 23.Dezember – Mittags – mit dem Gange der Sonne genau und auf einen Punkte richtet,so wird demnach die Uhr Tags darauf,als den 24.Dezember des Mittags schon 30 Sekunden früher gehen und das voreilen der Uhr nimmt täglich,bis zum  11.Februar zu,an welchem Tage 14 Minuten 19 Sekunden beträgt.Nun lässt das zu früh gehen  der Uhr nach – bis zum 14.April und beträgt am 15.Mai nur noch 4 Minuten 1 Stunde. Von diesen Tage an wird der Gang  der Uhr mit dem Gange der Sonne gleichförmiger und den 15.Junius ist er bei beiden völlig wieder gleich.Vom 16.Junius bis 25.Julius geht die Uhr wieder früher als die Sonne,nun aber lässt das Voreilen derselben nach,

welches bis zum 31.August fortdauert,wo der Gang der Uhr bis zum 1.November  langsamer und den 23.Dezember wird er wieder mit dem Gange der Sonne vollkommen gleichförmig wie er es im vorigen Jahre an eben diesem Tage gewesen war.

Zum Stellen einer solchen Uhr nach dem Gange der Sonne,ist aber erforderlich,daß man die sogenannte Mittagslinie,oder den Punkt,wo die Sonne ,wie vorhin erwähnt,die größte Höhe über dem Horizont erreicht hat,zu finden versteht-dies geschieht  nun auf folgende Seite.

Man wähle eine horizontale Fläche welche ungefähr 3 Stunden vor 12 Uhr Mittags und 3 Stunden nach 12 Mittags von der Sonne beschienen werden kann.Auf dieser Fläche ziehe man 2 oder 3 Zirkelschläge und stecke in ihren gemeinschaftlichen Mittelpunkt einen senkrechten dünnen Stift ein und von solcher Länge,daß sein gegen die Mittagszeit hin sich immer verkürzender Schatten mehrere dieser Zirkel berühre.

So oft nun Vormittags,so wie Nachmittags,das Ende des Schattens einen dieser Zirkel berührt,so bezeichnet man diesen Berührungspunkt Vormittags und Nachmittags.

Man sehe zur mehreren Deutlichkeit  die begefügte Figur,wo der Schatten dieses Berührungspunkts Vormittags in e und d,Nachmittags in b und c fällt.

Hierauf teile man den Bogen

zwischen den beiden Punkten c  und d und b und e in zwei gleiche Teile g und f, um ziehe aus dem Mittpunkte der Zirkel in die Linie g f welche dann die verlangte Mittellinie ist.

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Silvester 2016-2017

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Ich bedanke mich bei meinem Kunden für die guten Geschäftsbeziehungen 2016 und wünsche Ihnen einen guten Start in das Jahr 2017.

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Viele Grüße und die besten Wünsche nach Amerika, Kanada, Australien, England, Österreich, Japan, China, Russland, Schweiz, Spanien, Italien, Rumänien, Ungarn, Polen und besonders an

img_9 meine Freunde nach München, New York, Wien und Berlin. Für alle die sich  Zeit 

genommen haben.img_52

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Der Uhrmacher und die Katze auf dem Laufsteg

IMG_3370Der Uhrmacher schreibt,

Das Glück, eine liebe Katze zu finden ist nur denjenigen zugewand, die es wirklich verdienen. Sollten wir das Glück haben, ein solch liebes Tier zu bekommen, werden wir es annehmen und dankbar sein. Wer noch nie dieses Glück hatte weiß nicht was es bedeutet so ein kleines Tier zu besitzen. Wir werden es beschützen-dürfen es füttern und bedingungslos lieben solange es bei uns bleibt.

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Wie arm wäre die Welt ohne diese kleinen Wunder.

Dieses Wunder kam auch zu uns.

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Der Uhrmacher schreibt, das reparieren der Uhren macht mir immer

viel Freude.IMG_16

Ich freue mich auf jeden Auftrag und auf dessen Erledigung.

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Solch eine Uhr, die keinen Ton mehr von sich gibt, ist sehr bedauernswert und bedarf einer sofortigen Wiederbelebung.

Egal ob die Feder überzogen ist, oder das Aufzugsrad gebrochen, das Pendel nicht in Gleichgang schwebt oder der Zeiger klemmt.

Mein  großer Ersatzteilschrank mit  vielen Teilen, ist meine Sicherheit für erfolgreiche Reparaturen. Das ticken der Wanduhren und ihr schlagen zur Stunde ist mein Erfolg.

Der Uhrmacher, Werners Vater schreibt,

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Meine Frau hilft mir nicht nur beim reparieren von Brillen sondern auch auch bei der Reparatur von Uhren.

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Ihren gelernten Beruf als Schneiderin

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hat sie dabei nie aufgegeben und so manche Dame von der Stadt oder vom Lande, bestellte ihr Sonntagskleid bei ihr. Zu einem neu genähten schicken Kleid, wurde der Kundschaft  der passende  Hut präsentiert. Auch wurde so manches Schmuckstück gekauft.

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Der Uhrmacher schreibt, die Bestellungen  meiner fehlenden Reparaturteile bezog ich aus der Schweiz und aus Frankreich.

Die neusten Hutmoden  aus Paris wurden in der Leipziger Modezeitung präsentiert. Mit der Hand chlorierte Mode Stiche auf Kupferplatte zeigten sich als buntes Bild auf Papier. Die Damenwelt wurde fasziniert  und inspiriert von der neusten Mode und die Bestellungen der Hüte mussten nicht lange warten.

IMG_9224 Uhrmacher Katze

Die wunderschönsten Hüte wurden bestellt und in großen Kartons geliefert. Feines hauchdünnes weiches Seidenpapier verbreitete den Duft der Pariser Modewelt und schützte die Hüte vor

Beschädigungen.I080

Meine Frau lagerte die neu an gekommenen Hüte in einem separatem Lager Raum, der auch als Ankleideraum gut diente.

So manches neugenähte Brautkleid wurde hier anprobiert und  für den großen Hochzeitstag in einen Karton eingelagert. Dabei gab der Raum genügend Platz als Lager, aber auch zum ausprobieren.

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An der Zimmerdecke hörte man das knarren der Holz Dielen, auch ein hin und her laufen der Damen mit ihren Tanz ähnlichen Gang. Die Lautstärke und der Takt war abhängig von der schwere der Dame.

Der Uhrmacher schreibt,wir hatten das große Glück von einer Katze ausgesucht zu werden die uns annahm und blieb. Im Ankleideraum  verfolgte sie brav die Kleider Anprobe der Damen. Das kleine Kätzchen wurde von allen geliebt und gestreichelt. Ihr aufmerksames Wesen zeigte eine starke Persönlichkeit. Ihr rosa Näschen war im weißem Katzenfell versteckt und die großen saphirgrünen  Augen glänzten vor Freude wenn sie ein Federartiges Brautkleid sah. Dabei bewegte sie, zur Freude der Kundschaft, nur den Kopf in Richtung des geliebten Objekts. Der Uhrmacher schreibt, alle freuten sich über dieses liebe Katzenkind. Wie leer und traurig der Ankleideraum  ohne sie wär.

Der Uhrmacher schreibt, eine Hochzeit ist immer eine schöne Angelegenheit. Das genähte Brautkleid befand sich im Ankleideraum und lag zur Abholung bereit.

Der Uhrmacher schreibt,

wir besprachen noch einige Kleinigkeiten und suchten den Karton mit dem Brautkleid. Völlig unerwartet bewegte ich in Sekundentakt ein Stück weiches Seidenpapier. Der Deckel der Hutschachtel war verschwunden. Papier war reichlich zusehen. Im selben Augenblick erkannten wir unser Kätzchen mit 5 Jungen Katzenbabys, auf den Brautkleid kuscheln.

Wir schreckten zurück und waren sehr überrascht, ja ein wenig irritiert.Jedes der Katzenkinder wurde von der Katzenmutter in die Pfötchen genommen und begrüßt.  Nun präsentierte uns Lenchen jedes ihrer Katzenkinder.

Jedes Einzelne Baby wurde uns von Lenchen vorgezeigt,

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ja präsentiert und wieder ins Brautkleid zurückgelegt. Dabei bewegte sich Lenchen genau wie unsere Kundschaft. Als wolle sie uns etwas verkaufen.

Das BrautkleidIMG_9199

war sauber doch nicht mehr zu verkaufen und das Glück für einen besseren Ersatz rettete die Hochzeit, uns und Lenchen.

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Wer glaubt das dieser Vorfall unser Geschäft beschädigte, der irrt. Lenchen hatte sich beim nächsten Wurf einen schicken Federhut aus Paris ausgesucht und auch diesmal wurde Einzelvorstellung der Katzenkinder ein Ereignis mit vielen Zuschauern. Der Lagerraum war völlig überfüllt mit neugierigen Kunden, so hatten wir und Katzenmutter Lenchen  das Glück immer geeignete Eltern für die Babys zu finden, die auch verlässliche Kundschaft und unsere Freunde wurden, denn wir waren ja eine Familie.

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Der Uhrmacher und sein anderer Weg zum Dorf

I16P113Der Uhrmacher schreibt in sein Tagebuch Juni 1943,

Mein gewohnter Weg zum Dorf wurde  gesperrt.

Ein von  mir noch nie benutzter – unbekannter Pfad,wird nun zu meinen neuem Weg und die einzige Möglichkeit meine lieben Geschäftspartner auf dem Lande zu erreichen.

Am ersten Tag fuhr ich mit meinem Handwagen an einen kleinen Haus mit weißer Wand und roten Dach vorbei, dessen Grenze zum Wald ein kleiner Bach mit glasklarem Wasser war. Kleine Felsensteine glänzten im Bachlauf, ohne den Fluss zuhindern. Das im Garten hochgewachsene Gras schien unbeugsam, wohl auch an stürmischen Tagen. Je nach Tageszeit veränderte die Sonne die Farbe des saftigen Grün der verschiedenen Gräserarten. Die vielen  Blütenfarben gaben den wild gewachsenen Blumenmeer ein Teppichmuster. An heißen Sommertagen besuchten die Bienen IM20und Libellen die  prächtigen Blüten und am Abend die Grillen. Der kleine Bach wirkte am Abend still, als wolle er das Abendkonzert nicht stören. I605Das kleine weiße Haus schien durch seinen Blütenteppich unnahbar, ja unerreichbar. Es gab keinen Weg frei. Das spitze rote Dach ragte versöhnlich in den Himmel. Die weißen Mauern und die winzigen Fenster verschwanden im Blütenmeer. 77I2Der Rest  eines Zaunes, dessen blaue Farbe als Befestigung schien, ragte quer aus der Erde. Er war eingewebt von Spinnennetzen die im  Morgentau  auf Sonnenstrahlen trafen und den Zaun wie eine frische Perlenschnur verzierten. Auch war er Rastplatz für satte Vögel.IM15 An heißen Tagen duftete die Pflanzenwelt nach süßen Rosenduft, gepaart mit Fenchel und Minze, nach Weihrauch und auch allerlei anderer Gräser und Kräuter.Unkraut gab es nicht, hier hatte jede Pflanze ihren  Platz.IM658

Werners Vater  schreibt in seinen Tagebuch, der Weg zu meinem kleinen Haus, wurde – mein – Weg zum Dorf. Eigentlich schien das Häuschen unbewohnt. Alles war unberührt. Einen festen Pfad zum Eingang gab es wirklich nicht. Hier lebte auch die Winde. Ihre kräftig weißen Blüten zieren ein rostiges Gitter. Der Wein wuchs und rankte wild, die reifen  Trauben locken im Herbst  zum probieren. Egal welche Jahreszeit, egal welche Pflanzenform neu geboren wurde, ich hatte den Eindruck, die Natur zeigt sich hier ohne das eine Menschenhand eingreift und doch hat eine Hand dieses Paradies geschaffen. Wohl entweihe ich es mit meinen unerlaubten Eintritt.

Der kleine Hof  war mit silberblanken Bachsteinen belegt, die Fehlstellen mit tiefgrünen Moos aufgefüllt.

Eine Holztafel eingewachsen mit Moos, aufgestellt wie eine Grabtafel, mit schwer erkennbarer Schrift,

-ICH FAND DEIN HAUS IM ALTEM LAND-

-GEBORSTEN DACH AUF WEIßER WAND-

-DER WEINSTOCK DARBT IM KARKEN SAND-

-DEIN HERZ IST HIER DOCH FERN DIE HAND-

Der Uhrmacher schreibt in sein Tagebuch,IMG_2139

hinter der Holztafel stand ein Nadelbaum  mit zwei Stämmen – stolz gewachsen, der rechte Stamm ragt stark in die Höhe und symbolisiert  Kraft und Willen, Unbeugsamkeit. Sein anderer Teil rückt nach links leicht aus- als wolle er Abstand, zeigt aber keinerlei Schwäche, er nimmt nur seine eigene Richtung um weiter zu wachsen ohne den anderen zu behindern. Mit einer gemeinsammen Wurzeln stecken sie prächtig gesund in der Erde, ihr Stamm zeigt Gesundheit und ein 50 jähriges Leben. Seine Wurzel ziehen die Nässe aus den Boden und hält das kleine weiße Haus trocken. Auch gibt er den nötigen Schatten an besonders heißen Tagen. Seine Früchte duften und locken die Waldbewohner zur Mahlzeit an – in bestimmter Jahreszeit.

Nie würde ein anständiger Mensch es wagen diese beiden zu trennen, oder zu fällen. Gott beschütze sie vor den bevorstehenden kalten Winter und vor der Gier des  erbärmlichen kleingewachsenen Lumpen mit der eisernen Axt und dessen dummen Gehilfen.Wir müssen diese Menschencharakteren ertragen.

Nitzsche schreibt – Wer mit sich unzufrieden ist, ist fortwährend bereit, sich dafür zu rächen, wir Anderen werden seine Opfer sein, und sei es auch nur darin, dass wir immer seinen hässlichen Anblick  zu ertragen haben. Denn der Anblick des Hässlichen macht schlecht und düster.

Der Uhrmacher schreibt in seinen Tagebuch,IMG_2132

wenn  Menschen die Natur nicht achten, wild zerstören und nur eigennützig Ihren jämmerlichen Interessen folgen, werden sie eines Tages hart bestraft. Die Natur wird sich wehren. Millionen Energien in allen Formen, jedes kleinste Teilchen hat seine Aufgabe, nichts geht verloren.Um die Strafe deren, die versuchen das Ganze durch ungesunden Eigennutz und Gier zu stören, braucht man sich keine Sorgen machen. Auch hier hat die Natur ihren Plan.IMG_6

Der Uhrmacher schreibt,IMG_0811

heute  stand  ich wieder am Tor, bei dem Versuch es zu öffnen, fühlte ich mich als Eindringling. Ich wagte es nicht. Eine kleine kunstvoll geformte blaue Bank war mit Wein eingewachsen und diente auch als Standhilfe der Sonnenblumen. Die Feuerbohne gab den lindgrünen Weinblatt die rote Farbe. Hohe Ziergräser versteckten die Tür. Rechts befand sich ein Steinbrunnen mit Wasserpumpe.I37 Ihr kunstvoll geformter Griff  verriet eine Meisterarbeit. Alles leuchtete in allen Farben die man kennt, sie strahlten zusammen,IM15

sollte  nur ein Teil berührt werden, ja fehlen, bricht das Ganze zusammen. Ich wagte es nicht, es zu betreten. Der Uhrmacher mochte weder vor noch zurückgehen. Jegliche Bewegung würde dieses Paradies zerstören. Er schreibt,

die Stille, die Farben und der Duft der Pflanzen betäubten mich.

Ich weiß nicht wie lange ich blieb, der Abend schickte mich  nach Hause.

Das schlagen der Wanduhren im Reparatur Zimmer, glich Paukenschlägen, zeigten aber auch ihre erfolgreiche Reparatur an.

Der Uhrmacher,Werners Vater schreibt, ich freute mich auf den nächsten Landgang und auf mein weißes Haus. Ich kenne kein schöneren Weg.

Der Herbst färbte das Ganze in goldene Farben.

Tausend verschiedene Gelb Nuancen ließen ein dunkelbraun leuchten und die letzten roten Sonnenstrahlen am Abend verkupferten das Ganze in Gold schimmernde Flächen. Die tiefblauen Nadelhölzer gaben  eine ungeahnte Tiefe. Der Uhrmacher schreibt, alles  erinnerte mich an –  mit der Hand gehämmerten Goldbroschen, deren Lichtreflexe eine strahlende  Brillanz hervorbrachten, geschlagen ins Metall  geschaffen für Menschen durch Menschenhand. IM55Jedes Schmuckstück hatte seine  eigene Brillanz, nie konnte ich vorher sagen – Welche. Das Ergebnis  war mein Lohn. Immer wieder wurde ich mit der Vorfreude auf mein fertiggestelltes Schmuckstück vorangetrieben, bis ich  das Geschaffene bestaunte. Jedes Stück war anders, jedes Stück zeigte sich im Licht auf seine Weise vollkommen und unnachahmbar. So entstanden meine Einzelstücke. Geschaffen von meiner Hand.

Der Winter I28zeigte sich mit ersten Herbststürmen, hielt mich aber nicht auf, die Landleute mit meinen Mechanischen Kostbarkeiten und meinen Schmuck zu beliefern.P113

Der Weg im Winter war sehr beschwerlich, ich  könnte auch wieder meinen alten bekannten Weg nehmen.

Doch ich nahm meinen neuen  Weg zum Haus. Immer wieder musste ich mir den Weg freimachen, doch die Freude auf mein kleines weißes Haus schob den Schnee schnell weg und endlich stand ich  davor.

Es war erstaunlich gut zu sehen, das verblühte Pflanzen Meer war mit Puderzucker überstreut, kleine Eis-Kristalle brillierten im Sonnenschein und  zeigten die Kälte an. IMG_59

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020jjjDer tiefblaue Himmel war der Garant auf den nächsten Eistag. Die Luft war klar und sauber.100 BILD EIS

Der dahinterliegende Wald zeigte sich tiefschwarz und schneeweiss.

Herabbeugende Äste waren mit Eistropfen verziert. Sonnenstrahlen malten kleine Sonnenbogen auf vereiste  Wassertropfen und erinnerten mich an die schönsten klaren Bergkristalle.Diese in Metall zu fassen ohne dabei ihre Klarheit und Form, ja ihre Verbindung zur Natur zu verlieren  ist  eine Kunst, die nur wenige Meister beherrschen. Ich wagte es nicht. Ich hätte es nicht gekonnt.

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Der Bach wirkte tief und dunkel, wurde aber durch den blauen Himmel an manchen Stellen heller gefärbt. Einige  Bachsteine schienen mit Eis überzogen, andere wirkten gepudert.

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In seinen Tagebuch schreibt er,

mein Wunsch für immer hier zu wohnen, gab mir keinen freien

Gedanken an andere Dinge frei. Obwohl der Wunsch eher eine unbändige Neugier war,

– wenn ich es nur einmal betreten könnte.

Ich wagte es nicht.

Januar 1944, der Krieg ließ unsere kleine Stadt nicht aus.

Amerikanische Soldaten besetzten unsere  Stadt.

Für die Kinder bedeutete dies Kaugummi und Schokolade, für die Erwachsenen – Unbekannte.

In unserer Uhrmacherstube zogen US Soldaten ein.IMG_1434

Der Küchenherd wurde sofort  beschlagnahmt, ab jetzt wurde er für hungrige Soldaten angefeuert und gekocht. Dies hatte für die Besitzer der Wohnung  einen großen Vorteil, den sie wurden gut mit Lebensmitteln versorgt, die auch für sie als Tauschobjekte für andere Begehrlichkeiten dienten.

Eine warme Stube gab es obendrauf. Oft waren es freundliche Soldaten, wenn sie lachten blitzten Ihre Zähne ähnlich wie  weiße Porzellantassen. Dabei spielte die Hautfarbe eine entscheidende Rolle. Auch waren sie eigentlich friedlich. Aber, wenn sie sich schlafen legten zogen sie die Stiefel nicht aus. Die  Stiefelsohlenabdrücke blieben an der Wand als Andenken.

Als Entschädigung hatten wir einen ansehnlichen Vorrat im Keller, das neue Sicherheitsschloss schützte uns vor den anderen hungrigen Mäulern.

Der Uhrmacher schreibt in sein Tagebuch,

Enteignung,

vor dem Haus wurde eine lange Bank aufgestellt, hier wurden viele Sachen rausgelegt die sich in der Wohnung oder im Haus befanden. Es wurde einfach beschlagnahmt. Nun waren es Dinge für die Allgemeinheit. IM9

Hier konnten sich jeder, besonders  zur Freude der Bedürftigen bedienen. Dabei stellte sich heraus, das auch so manch Bedürftiger, zum erstaunen der immer helfenden Nachbarschaft, einen vollgefüllten Schrank mit Schokoladen-Zigaretten und andere Luxus besaß. Seine Hamsterlust kam nun den Neubedürftigen zur Hilfe. So schließt sich der Kreis.

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meine Uhrmacher Drehbank holte ich mir bei  Martin Fritz zurück, er konnte nichts mit ihr anfangen, zum Glück.IMG_3404

Die Bettwäsche mit dem Monogramm meiner Mutter, wurde in der Nachbarschaft auf der Wäscheleine wieder entdeckt.

Die Naumansche Nähmaschine meiner Frau  wurde von Frau Vogel aus der Kirchgasse in Ordnung gehalten. Es gab immer ein Problem, wenn die eigentlichen Besitzer ihr Eigentum nach Abzug der US Truppen wieder zurückholten oder tauschten.

Fast jeder vermisste etwas, eigentlich  ging nichts verloren, doch wirklich wertvolles war für immer verschwunden.

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Es war  Winter 1944, wer glaubt in dieser schlimmen Kriegszeit einen gut gedeckten Frühstückstisch zu bekommen, der hatte wenigstens den Vorzug – einen aus gerösteten  frisch gemahlenen  Gerstenkörnern kalten Kaffee zu bekommen.Die gemütliche Uhrmacher Küche schützte vor Kälte im Winter, genauso wie vor Wärme im Sommer.So kam es vor, das so mancher Reparaturauftrag in der Küche erledigt wurde.

Der Uhrmacher schreibt in sein Tagebuch…………………IMG_2137

 

 

Postkarten – Geschichten – Kontaktaufnahmen 1950

Hier hatte Joachim es sichtlich nicht einfach, er schreibt eine Karte an seine Freundin Rita, die ca 60 Kilometer entfern von Ihm  wohnte – 1950 – IM993

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Ja, Joachim hatte es wohl sehr schwer, Rita musste bei Laune gehalten werden. Auf dem selbstgemachten Eierlikör von Rita freute er sich besonders. I69

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Es war schon anstrengend für Joachim, eine  Postkarten-Nachricht war die einzige Möglichkeit sich mit Rita zu verständigen.